Vom Schmetterling berührt…

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Vom Schmetterling berührt

Vorbei ist die Hitze, vorbei die Schwüle, vorbei das Zerfließen unter der heißen Sonne.

Lächelnd spaziere ich durch die Natur. Eine frische Brise streift meinen Nacken, umspielt mein Haar und zieht schließlich hinauf in die Lüfte.
Wolken verwandeln den Himmel in eine Welt voller Fabelwesen, und der Duft von Kamille umweht meine Nase.
Ein Windstoß … eine Berührung …

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Ein Schmetterling, vom Wind getrieben, streift meine Wange. Ich zucke kurz, fahre mit der Hand an meine Wange, begreife und lächle den weißen Flügeln hinterher.

Vögel zwitschern. Es klingt so viel fröhlicher und freier als früher.
„Frei wie ein Vogel fliegen, hoch hinauf in die Lüfte …“
Es ist als wäre es gestern gewesen, als ich hoch oben auf der Zugspitze stand, die Flugkünste der Vögel bestaunte. Als ich mir vorstellte, meine Flügel auszubreiten, mich von der Bergspitze aus hinab ins Tal fallen zu lassen, getragen vom Wind, hoch hinauf in die Lüfte zu fliegen, bis alles Irdische klein und unscheinbar würde.
Kein Schmerz, keine Schuld, keine Pflicht könnte mir bis über die Wolken folgen. Nur Leichtigkeit … nur Sein … einfach sein …

Mehr als zwanzig Jahre ist dieser Moment her, und doch fühlt es sich an, als sei es erst gestern gewesen, dass ich dort oben stand und in Gedanken den Vögeln folgte, mit schillernden Flügeln voller Hoffnung und Träume.
Bevor Orkane und Stürme meine Flügel zerfetzten.
Bevor Blei durch meine Adern floss.
Bevor Dornenhecken ihr Geflecht nach mir ausstreckten, ihre Zweige Arme und Beine umwickelten und mich zu Boden drückten.
Als hätte ich mit zerrissenen Flügeln noch fliegen können…

Noch immer spüre ich meine Finger an meiner Wange, an der Stelle, an der die weißen Flügel des Schmetterlings mich berührten. Und für einen Moment sehe ich meine glitzernden Flügel in der Sonne schillern. Zartes Rosa, leichtes Violett, transparentes Weiß, goldener Glitzer, alle Farben des Regenbogens, leicht und doch kraftvoll.

Ich sehe, wie sich die Flügel entfalten, um von der Spitze des Berges, vom Wind getragen, hinauf in den Himmel zu fliegen …

doll(75)Martina Hildebrand

Über buchstabenwiese

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10 Antworten zu Vom Schmetterling berührt…

  1. beaneu schreibt:

    Liebe Martina,
    wundervoll zart und poetisch und märchenhaft verträumt, feinfühlig und tiefsinnig hast du geschrieben, die ganze Palette von Gefühlrn und Emotionen, von Erfahrungen, die das Leben beschert. Mich berührt besonders, dass unter allen Wunden und leidvollen Erfahrungen, die Flügel der Seele intakt geblieben sind!

    Wie sehr ich mich freue, wieder von dir zu lesen, kann ich gar nicht sagen. Ich unterbreche sigar kurz meine Blogpause. ❤️❤️❤️

    Gefällt 1 Person

  2. helago schreibt:

    Hallo Martina, deine wunderbaren Zeilen haben mich sehr berührt.Die Schmetterlinge die ich auf deinem Bild hier sehe, kenne ich aus der Begegnung in der Natur. So langsam habe ich mich eingellebt in meiner neuen Umgebung und ich fühle mich dabei gut, sehr gut sogar. Es ist ein Mehrfamilienhaus.Ich schicke dir mal Bilder. Und ja,meine Frau hat mich mit einem Voodoo-zauber belegt. Aber das ist für mich nicht relevant. Es ist ihre Sache.
    Schön, dass du wieder einen Blogeintrag gemacht hast,

    Ich wünsche dir eine gute Zeit.
    Salut
    Helmut

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    • buchstabenwiese schreibt:

      Hallo Helmut,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass ich dich mit meinen Zeilen berühren konnte.
      Ja, die Kohlweißlinge fliegen zurzeit munter umher. Zahlreich und besonders flatterhaft. 🙂

      Es freut mich, dass es dir nun wieder gut geht. ❤
      Voodoo-Zauber? Ach je. Ein Punkt mehr, der zeigt, dass deine Entscheidung die richtige ist!
      Lass es dir gutgehen und hab eine schöne Zeit.
      Liebe Grüße
      Martina

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  3. Gudrun schreibt:

    Manchmal ist es etwas ganz Leichtes, Zartes was übermächtiges Dunkles mit seiner Schwere und den Dornen vertreiben kann. Seelenzustände hast du so ergreifend beschrieben, dass man sie fühlen kann. Das weckt Verständnis und ist vielleicht eine Möglichkeit, Eigenes zu sortieren. Vielen Dank.
    Ich schicke dir herzliche Grüße, liebe Martina.

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  4. hase956 schreibt:

    Liebe Martina,
    ich bin grade mal wieder vorbeigehoppelt, da lese ich diesen wunderschönen Beitrag von dir.
    Ich liege auf meinem Balkon und träume in die Wolken hinein, sehe Figuren und denke ich wäre im Himmel. Auch ich war letzte Woche von einem Schmetterling begeistert im Garten, es war ein
    Schachbrettfalter, den es selten gibt. Es gibt so einen schönen Spruch:
    „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken…..“
    Ich fühle mit dir und freue mich über deine gefühlvollen Worte.
    Ich fühle mich mit dir dadurch sehr verbunden.
    Herzliche Grüße
    Erika 🙂

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    • buchstabenwiese schreibt:

      Liebe Erika,
      schön, dass du mal wieder vorbeigehoppelt bist, und schön, dich so fröhlich zu „sehen“.
      Oh, ein Schachbrettfalter. Ich glaube, ich weiß, wie der aussieht, habe aber selbst noch keinen hier gesehen. Leider.
      Danke für deinen lieben Kommentar. ♥
      Ganz herzliche Grüße zu dir,
      Martina

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  5. Träumerle Kerstin schreibt:

    So zart sind deine Erinnerungen, so schmerzhaft waren sicher die dunklen Jahre.
    Sieh immer den Schmetterling vor dir und sieh das Schöne im Leben.
    Als wir gestern im Garten saßen, da machte eine Hummel auf meinem Fuß Rast. Oh je, ich musste mich so beherrschen, denn sie kitzelte. Sie kam wieder und wieder und ich meinte zu meinem Mann, dass meine Füße offenbar heut besonders gut riechen 🙂
    Liebe Grüße in den Sonntag und gib Felix einen Streichler von mir.

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    • buchstabenwiese schreibt:

      Hallo, liebe Kerstin,
      ja, die dunklen Jahre waren schmerzhaft und ich habe lange gebraucht, mich einigermaßen davon zu erholen. Aber ich lebe noch. 😉 Und ich gebe mir Mühe, mich auf das Gute zu konzentrieren. Klappt nicht immer, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist nur, dass ich es immer wieder versuche.
      Die Hummel fühlte sich offensichtlich wohl bei dir. 🙂
      Alles Liebe für dich,
      Martina

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