Gedanken am Sonntagmorgen

Blumenstrauss © Martina HIldebrand

Es ist Sonntag.
Ich öffne die Augen und suche im Halbdunkel den Wecker.
Was??? 10:55 Uhr?
Ich hasse es, wenn ich so lange schlafe.
Um mich zu vergewissern, strecke ich meinen Arm aus und drücke auf das Lichtknöpfchen am Wecker.
8:55 Uhr! Erleichtert schließe ich die Augen. Ich bleibe noch ein paar Minuten liegen und meine Gedanken beginnen zu kreisen. 

Wie wohl das Wetter heute ist? Ob es tatsächlich schneit?
Mein Kopf fühlt sich dumpf an. Nein, bitte jetzt keine Kopfschmerzen.
Mein Kopf ist leicht und frei und voll mit wunderbaren Ideen, sage ich mir in Gedanken immer wieder vor. Vielleicht verflüchtigen sich die Kopfschmerzen ja und ich kurble noch so ganz nebenbei meine Kreativität an. Kann ja nicht schaden.
Wie soll es nur weitergehen?

„Ich glaube, ich stehe auf“, verkünde ich.
„Warum tust du denn das?“ kommt es verschlafen aus der Decke neben mir.
„Weil ich es kann?“ Ich lächle, das wollte ich schon immer mal sagen.
„Weil wir glücklich sein können, dass wir dazu in der Lage sind“, sinniere ich weiter.
„Da hast du auch wieder recht.“

Sogleich wandern meine Gedanken zu meinem Vater.
Er wäre glücklich gewesen, hätte er wieder selbstständig aufstehen können.
Bilder wandeln durch meinen Kopf.
Mein Vater strotzend vor Kraft, immer in Bewegung, den Schalk in den Augen.
Ein Mann im Rollstuhl, kraftlos und leer.
Mein Vater sich aufbäumend, kämpfend, mit dem Ziel wieder laufen zu können, ein schiefes Lächeln auf den Lippen.
Ein Mann wütend, schreiend, Geschirr um sich werfend, ohne Worte, ohne Lächeln.
Mein Vater liegend, sediert, leblos, tot.

Ich muss aufstehen.
„Kaffee?“, frage ich lächelnd in Richtung Decke.
„Oh ja, gerne“, kommt es zurück.

Ich gehe hinunter in die Küche. Unser kleiner Terrier folgt mir.
Ich schalte den Kaffeeautomaten an, gehe ins Wohnzimmer und öffne die Terrassentüre.
Es regnet. Oder schneit es? Bäh, irgendwas dazwischen.
Pepper schnuppert in die Luft, tapst hinaus in den Garten, hebt sein Beinchen und hoppelt zurück ins Warme, mit direktem Kurs Richtung Küche.
Das ging aber schnell heute. Ich muss lächeln, er mag das nasskalte Wetter einfach nicht. Ich auch nicht. Schnell schließe ich die Tür wieder.

In der Küche holt mein Kleiner sich seinen allmorgendlichen Hundekeks ab. Ruckzuck hat er ihn vertilgt und hüpft zurück ins Schlafzimmer.
Ich liebe diese Lebendigkeit.
Lächelnd blicke ich ihm hinterher.

Dann wende ich mich dem Kaffeeautomaten zu und entlocke ihm zwei Tassen herrlich duftenden Kaffees.
Wie schön, dass heute Sonntag ist …

Martina Hildebrand

Ich wünsche euch einen zauberhaften Wochenanfang 

MaHi  

Advertisements

Über buchstabenwiese

Mehr über mich findest du in meinen Blogs: www.buchstabenwiese.wordpress.com www.derbuchstabenwieseweihnachtsblog.wordpress.com
Dieser Beitrag wurde unter > Die ganze Buchstabenwiese, Die Zeit, Innenwelten, Kurznachrichten aus dem Hause Buchstabenwiese, Schreiben abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

62 Antworten zu Gedanken am Sonntagmorgen

  1. kowkla123 schreibt:

    auch ich wünsche dir einen wunderschönen Wochenstart und viele gute Erlebnisse in der Woche, schöne Woche, Klaus

    Gefällt mir

  2. M.Sun schreibt:

    Hallo Martina!
    Du hast das wunderschön geschrieben. Besonders die Zeilen über das Aufstehen können haben mich sehr berührt. Mein Vater sitzt auch im Rollstuhl, zum Glück nur mehr teilweise. Er kann momentan wieder selbst aufstehen und ist sehr glücklich darüber. Im Krankenhaus, als es ihm sehr schlecht ging, ist er fast verrückt geworden, weil er nicht von selbst aufstehen konnte. Mit viel gemeinsamer Anstrengung konnte meine Mutter ihn aufrichten. Als sich sein Zustand besserte, waren beide erlöst, das hat man deutlich gespürt.

    Wenn er diese Fähigkeit von selbst aufzustehen nicht wieder erlangt hätte, dann hätte das das Leben von Beiden, Papa und Mama auf den Kopf gestellt. Sie kann ihn nicht so pflegen, sie ist selbst sehr angeschlagen. Dann hätte Papa in ein Heim müssen, dann hätte Mama die Wohnung mit dem Garten nicht behalten können, in den ihr Herzblut geflossen ist, das wäre schrecklich gewesen.

    Darum und auch weil ich selbst angeschlagen bin und mal nicht von selbst aufstehen konnte, bin ich jeden Tag dankbar, wenn wir alle uns aus eigener Kraft erheben können. Da beginnt der Tag auch gleich ganz anders.

    Dankeschön für deine Gedanken, dass du die Aufmerksamkeit für so etwas Unscheinbares und manchmal Selbstverständliches wie das aus eigener Kraft aufstehen geweckt hast, mich erinnert hast, mir bewusst gemacht hast, dass ich allen Grund habe schon am Morgen Dankbar zu sein. Und Dankbarkeit ist ja was Tolles, sie sorgt auch dafür, dass man das, was man hat, mehr genießt.
    Liebe Grüße schickt dir M.Sun

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Gerne, liebe M.Sun, und danke schön für deinen lieben Kommentar.
      Es freut mich, dass es deinem Vater wieder besser geht. Es ist nicht schön, mit anzusehen, wie ein Mensch leidet, den man liebt.

      Meine Mutter hat das nicht mehr miterleben müssen, wie es meinem Vater ergangen ist. Sie ist vorher an Krebs gestorben. Das hätte sie nicht verkraftet. Es war schrecklich.

      Man kann wirklich dankbar sein, wenn man noch selbstständig sein kann.

      Herzliche Grüße,
      Martina

      Gefällt mir

      • M.Sun schreibt:

        Liebe Martina,
        danke dir für deine Antwort.

        Du hast recht, es ist wirklich nicht schön, das mitanzusehen. Mehr noch, es ist grausam. Das Gefühl, am Liebsten die Welt aus den Angeln heben zu wollen, damit es endlich mit der Genesung voran geht. Und dazu die Unfähigkeit, das zu tun. Die Ohnmacht, die Verzweiflung. Das ist regelrecht traumatisch. Meine kleine Schwester musste kurzzeitig in Psychotherapie, weil sie mit diesen Gefühlen nicht so umgehen konnte.

        Mein herzliches Beileid zum Verlust deiner Mutter. Mit fehlen gerade die Worte.
        Mir bleibt nur, dir das Allerbeste zu wünschen und dass du das Erlebte gut verarbeiten kannst und dass du trotz dem Erlebten Freude am Leben haben kannst.
        Viele liebe Grüße sendet dir M.Sun

        Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Liebe M.Sun,
          dass man nur zugucken und nichts tun kann, das ist das Schlimmste. Ja, das ist traumatisch, kann ich nur bestätigen. Ich hätte auch dringend eine Therapie gebraucht, aber ich habe mich dazu nicht aufraffen können, ich habe mich innerlich auch dagegen gewehrt. So war meine Therapie unter anderem das Schreiben.

          Ich danke dir von Herzen für deine Anteilnahme, liebe M.Sun, aber es ist in Ordnung. Es ist schon eine Weile her. Meine Mutter ist jetzt sieben Jahre tot und mein Vater vier Jahre. Ich habe lange gebraucht, diese vielen leidvollen Jahre, in denen alles auf einmal und kurz hintereinander passierte, zu verarbeiten. Einiges war ziemlich heftig. Es hat mich völlig aus der Bahn geworfen, da auch noch andere Dinge vor und in der Zeit passiert, nicht so gut gewesen sind, aber inzwischen geht es mir schon viel besser. Die schlimmen Bilder verblassen und schöne Erinnerungen bleiben. Es geht immer weiter bergauf.

          Herzliche Grüße,
          Martina

          Gefällt mir

        • M.Sun schreibt:

          Liebe Martina,
          das kann ich gut verstehen, es ist nicht leicht, seine Seele einem Therapeuten, einem Fremden in die Hand zu legen, bloßzulegen, was schmerzt. Gewehrt, hm… vielleicht war tief in dir das Wissen da, dass du es auch ohne diese Hilfe schaffen kannst. Und wie ich deinen Worten entnehme, hast du es schon sehr weit geschafft. Respekt!

          Vielleicht wolltest du es dir auch beweisen, dass du es kannst, so eine Art „trotz der erlittenen Erschütterungen richte ich mich auf und packe es an“ – bewundernswert, die Stärke, die du offensichtlich in dir trägst.

          Ja, das ist das Leben, wenn es jemanden beutelt, dann ordentlich. Aber es ist gut, dass das langsam verblasst und ich drücke dir die Daumen dass es weiter tut. Die schönen Erinnerungen zu bewahren, ist ein wunderbarer Standpunkt – Dann wünsche ich dir viel Freude beim Schwelgen in diesen schönen Erinnerungen und dass du sie ungetrübt genießen kannst.
          Alles Liebe wünscht dir M.Sun

          Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Stark habe ich mich in der Zeit eigentlich nicht gefühlt, liebe M.Sun. Im Gegenteil.
          Ich war teilweise wie gelähmt. Meine Seele war wirklich ganz kaputt. Als Rechtfertigung habe ich aber immer gesagt, dass ich da sowieso selber durch muss, ob mit oder ohne Therapeut. Aber vielleicht wäre es mit schneller gegangen, ein bisschen leichter, vielleicht. Man weiß es nicht. Ich würde anderen immer zu einem Therapeuten raten. Aber es ist offenbar auch nicht immer leicht, den richtigen zu finden, der, der zu einem passt, dem man vertraut.

          Es wird immer besser, daran glaube ich jedenfalls. 🙂
          Danke dir.

          Herzliche Grüße,
          Martina

          Gefällt mir

        • M.Sun schreibt:

          Liebe Martina,
          das kann ich gut nachvollziehen, dass du dich damals gar nicht stark gefühlt hast. Aber dass du dir gesagt hast, dass du es selber schaffen musst, lässt, so denke ich, doch einiges an Stärke und Willenskraft von dir durchscheinen.
          Jemand hat mir mal gesagt „In der Schwäche liegt die Stärke“ – vielleicht traf das in dieser Situation zu.

          Das stimmt total, es ist wirklich nicht leicht, einen Therapeuten zu finden, mit dem man „kompatibel“ ist, und da es bei einer Therapie um so sensible Dinge geht, hat dieses Kriterium große Bedeutung.

          Dass du es aus eigener Kraft, ohne Therapeuten so weit geschafft hast, ist schon eine Meisterleistung, da kannst du stolz auf dich sein.
          Ich wünsch dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg und dass du Alles schaffst, was du dir vornimmst.
          Viele frühlingliche Herzensgrüße send ich dir, M.Sun

          Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Danke für deine lieben Worte und Wünsche, liebe M.Sun. ♥
          Ich werde mir weiterhin Mühe geben.

          Liebe Grüße,
          Martina

          Gefällt mir

  3. Anna-Lena schreibt:

    Schön, dass du dich von den trüben Gedanken schnell abgelenkt hast. Sie kommen immer wieder mal hoch, aber daran können wir nichts ändern, sondern uns nur ablenken.

    Schneereiche Grüße
    Anna-Lena

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Hallo, liebe Anna-Lena, schön dich zu lesen.
      Diese Gedanken und Bilder sind immer irgendwie da, sie sind nun ein Teil von mir. Sie lassen sich nicht einfach beiseite schieben. Aber ich habe gelernt, damit zu leben. Ich lasse sie kommen und dann lasse ich sie auch wieder gehen. Meistens.

      Ebenfalls schneereiche Grüße,
      Martina

      Gefällt mir

  4. einfachtilda schreibt:

    Und heute ist Montag und seit gestern schneit es…..da kommen mir auch trübe Gedanken, wo bleibt der Frühling? 🙄

    Einen guten Wochenstart wünsche ich dir und ein herzlicher Gruß von Mathilda ♥

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Och, Mathildalein. 😉
      Der Frühling ist doch schon irgendwie da, nur gerade überdeckt vom Winter. 🙂
      Ja, hier hat es gestern auch angefangen zu schneien und heute schneit es immer noch. Ist wieder die reinste Winterlandschaft da draußen.
      Da müssen wir den Frühling solange im Herzen tragen.

      Herzliche Grüße zu dir,
      Martina ♥

      Gefällt mir

  5. Das ist eine schöne Erzählung! ☺

    Es ist grausam, sehenden Auges zu erleben, wie man Stück für Stück seiner Selbständigkeit weiter beraubt wird. Wenn man nichts dagegen tun kann, immer mehr auf Hilfe angewiesen ist. Dagegen ist eine Sedierung sowas wie eine Erleichterung … irgendwann vielleicht sogar bis hin zur Erlösung.

    Hier liegt eine dichte, kaum dicke Schneedecke und immer wieder schaut die Sonne durch. So mag ich das!

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Danke schön, liebe Skriptum.

      Es ist auch grausam mit anzusehen, wie ein Mensch, den man liebt Stück für Stück verschwindet. Diese Sedierung war eine sehr schwer Entscheidung, weil klar war, dass sie am Ende zum Tod führt …

      Sonne? Wo? 🙂 Aber Schnee, ja damit kann ich dienen. Seit gestern schneit es und heute schneit es immer noch. Die reinste Winterlandschaft da draußen.

      Liebe Grüße,
      Martina

      Gefällt mir

  6. Beate Neufeld schreibt:

    Du hast das sehr schön sensibel geschrieben.
    Dankbarkeit wächst auch aus leidvollen Erfahrungen. . .
    Sei lieb gegrüßt von:
    Beate, die Dir auch eine gute Woche wünscht.

    Gefällt mir

  7. twinsie schreibt:

    Liebe Martina, deine Stimmung hast du sehr einfühlsam niedergeschrieben. Je älter ich werde, umso dankbarer bin ich, dass es mir gesundheitlich gut geht und ich versuche so weit möglich, jeden einzelnen Tag zu genießen und die schönen Momente im Leben ganz bewusst zu erleben.

    Wünsch dir eine angenehme Woche mit ganz vielen schönen Momenten ♥!

    Liebe Grüße zu dir
    Eva

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Danke schön, liebe Eva.
      Ja, wenn man jung ist, dann hat man oft noch nicht so eine Vorstellung von Vergänglichkeit. Vieles hält man für selbstverständlich.
      Erst wenn man schon einiges erlebt hat, älter wird, dann spürt und sieht man sie. Auch ich bin dankbar dafür, dass ich weitestgehend gesund bin. Es gibt Vieles, wofür man dankbar sein kann.

      Ich wünsche dir auch ganz viele schöne Momente und dass du sie genießen kannst. ♥

      Liebe Grüße,
      Martina

      Gefällt mir

  8. brian68channing schreibt:

    Liebe Martina,
    aufstehen zu können und dann noch einen lieben Menschen zu haben, der mit dir teilt und Freude im Herzen sich ausbreitet, sich zu haben, das ist Grund genug dankbar zu sein. Mir geht es ebenfalls so und ich bin glücklich, dass ich mit meiner Frau den Tag beginnen darf. Das macht ein glückliches Gefühl, vor allem, weil wir wissen, alles haben wir unserem Gott und Vater zu verdanken.
    Liebe Grüße
    Brian

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Lieber Brian,
      ja, es gibt sogar in weniger guten Zeiten noch viel, wofür man dankbar sein kann, auch wenn man es nicht immer sieht.
      Einen lieben Menschen an seiner Seite zu haben, das ist auf jeden Fall ein Grund.
      Alles Liebe für dich und deine Frau,
      Martina

      Gefällt mir

  9. bayernpauline schreibt:

    Wunderschön! Sehr sensibel. Ich mag sehr, wie Du schreibst. 😀

    Gefällt mir

  10. tabea schreibt:

    Auch wenn inzwischen schon Dienstag ist … hab eine gute Woche!

    Hier ist auch alles weiß und ich bin froh, dass es nicht so arg weht und stürmt … ich hoffe weiter auf Frühling 🙂

    lieben Gruß,
    Tabea

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Die Woche ist ja noch nicht rum. Danke dir. 🙂
      Heute war es gar nicht schön draußen, als Pepper und ich „über“ die Felder gelaufen sind. Der Wind wehte kleine harte Schneeflocken wie Nadelspitzen ins Gesicht. Nee, nicht schön. Eigentlich war ich schon auf Frühling eingestellt. Na ja, er muss ja kommen. So oder so. 🙂

      Liebe Grüße und eine schöne Restwoche,
      Martina

      Gefällt mir

  11. minibares schreibt:

    Genau, wir KÖNNEN noch aufstehen.
    Dass du dich gleich am Morgen zu überlisten versuchst, finde ich bewundernswert.
    Oh ja, wenn man ernstlich krank ist, schaut die Welt ganz anders aus.
    Auf eine wundervolle Woche für dich, liebe Martina,
    Bärbel

    Gefällt mir

  12. Ach ja, liebe Martina, ich freue mich über jeden (Sonn-)Tag, an dem ich mit meinem Schatz aufstehen darf. Gerade heute, nach unserem halbjährlichen Besuch in der Uniklinik, ist uns unsere Endlichkeit wieder sehr bewusst geworden. Das sehr offene Gespräch mit dem Arzt ließ mich mal wieder erschaudern …
    Sei ganz lieb gegrüßt
    Iris

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Das glaube ich dir, liebe Iris.
      Ich habe gerade erschreckt in deinen Blog geschaut, wegen deiner Anmerkung über das offene Arztgespräch, aber da tanzen sie zum Glück wieder.
      Gibt es denn trotzdem schlechte Nachrichten?
      Alles Liebe für dich,
      Martina

      Gefällt mir

      • Nein, liebe Martina, richtig schlechte Nachrichten gibt es nicht. Die MRT-Bilder zeigen: Alles unverändert. Und das nach Meinung der Ärzte erstaunlich lange, obwohl es noch Tumor-Zellen gibt, die sich allerdings nicht rühren. Und so sollen sie sich gefälligst auch weiterhin verhalten!
        Es ist einfach nur so, dass so ein Tag in der Uniklinik ziemlich anstrengend ist und mich irgendwie immer etwas runterzieht. Heute geht es aber schon wieder besser.
        Sei ganz lieb gegrüßt
        Iris

        Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Das ist beruhigend, liebe Iris.♥
          Das verstehe ich. Ich denke, dass die Anspannung vor dem Termin auch enorm ist. Und Anspannung ist sehr anstrengend, zusätzlich zu der Fahrt und all das. Wenn die Anspannung dann nachlässt, ist man erst mal erschöpft.
          Erstaunlich lange, sagen sie, na, das ist doch gut, dann kann es auch noch länger so gehen.
          Ich drück dich noch mal aus der Ferne, das reale Drücken hole ich am 23. nach. 🙂
          Alles Liebe,
          Martina

          Gefällt mir

  13. Helmut schreibt:

    Das finde ich aber mal seeeeeeeeeeeehr nett, wenn du deinem Herzblatt den Kaffee ans Bett bringst.
    Eine schöne Beschreibung deiner Gedanken.. Ja, wir können noch aufstehen, ganz gleich zu welcher Uhrzeit.

    Salut
    Helmut

    Gefällt mir

  14. frieda schreibt:

    Hallo Martina,
    da schreibt auch endlich die alte Frieda mal wieder was 😉
    Und dann auch noch zu einem traurigen Thema…. Tja, was soll ich sagen… (Meine Eltern springen zwar trotz Alter beide noch ohne Rollstuhl umher – aber was nützt das, wenn sich bei ihnen alles nur immer um Äußerlichkeiten dreht und sie ihr Herz irgendwo so dermaßen verbuddelt haben, dass sie gar nicht mehr wissen, wie man es benutzt??? Auch die Seele kann im Rollstuhl sitzen oder gar tot sein, während der Körper noch wohlfeile Klamotten durch die Gegend trägt und sich über Oberflächlichkeiten aufbläst, so grotesk ist das, ich finde das ziemlich schlimm.)
    Überhaupt die allgemeine Verblödung und „Bewusstlosigkeit“, die einen umgibt – da leide ich sehr drunter. Umso angenehmer, wenn es hier und da noch Zeitgenossen gibt, die noch in der Lage sind, die Äuglein, die Ohren und den Verstand auch wirklich zu benutzen – und das dann auch rundum, also nicht nur „äußerlich“. Der Mensch besteht ja nunmal aus mehr als nur einer Hülle und einem Haufen Krempel, den man im Leben ansammelt.
    So,
    soweit mal schwadroniert und nachgesonnen,
    Grüssle, frieda
    😎

    (…schon einen Schneegang hinter mir, glitzernder tiefer Schnee, viele Hasenspuren…)

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Ach, die liebe Frieda, wie schön. *freu* 🙂
      Och ja, Ist ja nicht nur traurig. Nur ein bisschen, und dann wieder fröhlich. 🙂

      Hmm, das ist wirklich nicht schön. Bei aller Traurigkeit habe ich gerade ein Bild vor Augen über das ich ein klitzekleines bisschen lächeln muss: Ein Mann und eine Frau, perfekt gekleidet, schieben jeder einen Rollstuhl. In den Rollstühlen sitzt jeweils ein Herz, gut festgeschnallt, und eine versteinerte Seele. Seltsam und eigentlich gar nicht zum Lächeln.

      Oh ja, der Mensch besteht aus mehr als nur einer Hülle. Die Hülle ist eben nur … öh … eine Hülle eben. 🙂 Aber auf den Inhalt der Hülle kommt es an.
      Ein Buch kann auch eine wunderschönes Cover haben, und trotzdem einen langweiligen, öden, ätzenden, grauslichen, sinnlosen oder was auch immer Inhalt. Dann taugt es nur dazu, es ins Regal zu stellen und schön aussehen zu lassen. Sonst kann man damit nichts anfangen. Es berührt niemanden, bringt niemanden zum Lächeln oder Weinen, keiner wird mitfiebern oder mitfühlen. Schade eigentlich.

      Einen Schneehundespaziergang haben Pepper und ich auch schon hinter uns. Es glitzert so schön in der Sonne. Hasenspuren? Oha, das sind schon die Gehilfen vom Osterhasen. 😉

      Liebe Grüße,
      Martina

      Gefällt mir

  15. Waldameise schreibt:

    Gedanken, die mich auch oft einholen. Wie lange werde ich morgens noch aus dem Bett „hüpfen“ können … wie lange in meinem geliebten Wald wandern … zwischen den Blumenbeeten knien und buddeln … etc. … Alles nicht selbstverständlich. Manche können sich nichtmal ohne Hilfe im Bett drehen. Das alles jagt mir Angst ein … wie schnell kann sich alles ändern.

    Ich lass einen lieben Gruß hier, liebe Martina, und nehme ein paar nachdenkliche Überlegungen mit,
    die Waldameise

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Nein, das alles ist nicht selbstverständlich, liebe Waldameise.
      Mir macht es auch Angst, wenn ich daran denke. Zum Glück wissen wir nicht, was mal sein wird.

      Sich Sorgen um etwas zu machen, von dem wir nicht mal wissen, ob es eintreffen wird, nimmt uns nur die Freude darüber, dass wir das alles jetzt noch können. Lassen wir lieber diese düsteren Gedanken los und genießen unsere Möglichkeiten im Hier und Jetzt. Nicht immer leicht, wenn man schon so einiges gesehen hat und sieht, was um einen herum so geschieht, aber auch nicht unmöglich.

      Liebe Grüße zur dir,
      Martina

      Gefällt mir

  16. bubblegumcandy schreibt:

    das hast du sehr schoen und vor allem einfuehlbar geschrieben liebe Martina. und es ist gut, dass du dich ein bisschen hast ablenken koennen. wie gerne haette ich mit dir einen kaffee getrunken.

    ganz liebe gruesse aus weiter ferne
    Sammy

    Gefällt mir

  17. Gabi schreibt:

    Deine Gedanken an Deinen Vater gehen mir sehr zu Herzen. So etwas mitzuerleben schmerzt sehr. Bei meiner Mama ging der Prozess des „nicht mehr könnens“ zwar langsam voran, aber dennoch tat es genauso weh.
    Und all diese Erinnerungen machen einem noch mehr die eigene Vergänglichkeit bewusst. Ich schreibe „noch mehr“, weil ab einem gewissen Alter denkt man ohnehin immer öfter daran.
    lg Gabi

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Danke dir, liebe Gabi.
      Bei meinem Vater dauerte es von dem schweren Schlaganfall bis zu seinem Tod ca. 2 1/4 Jahre. Sehr schwere Jahre. Davor die Trauer um meine Mutter und davor das Krebsdrama meiner Mutter, was mich sehr mitgenommen hat … Ja, so was schmerzt sehr. Ich finde sogar, je länger sich das alles hinzieht, desto schwerer ist es auszuhalten, weil es sehr an einem zehrt und die Kräfte immer mehr nachlassen.

      Oh ja, es wird einem die eigene Vergänglichkeit bewusster und die Angst vor dem Altwerden und den Krankheiten flackert auf.
      Eine Zeit lang habe ich das ganz extrem empfunden.

      Doch inzwischen denke ich, dass ich mir mit diesen Gedanken auch noch die Zeit verderbe, in der es noch ganz gut geht und ich noch nicht von solchen Dingen betroffen bin. Wir wissen ja auch nicht, was mit uns mal sein wird. Daher versuche ich solche Gedanken zu verdrängen. Mal gelingt es, mal nicht. Wenn nicht, dann lasse ich sie kommen und irgendwann auch wieder gehen. Das kostet weniger Kraft.
      Doch ich muss zugeben, so unbeschwert wie ich früher in diesen Dingen war, das bin ich nicht mehr und werde ich wohl auch nie mehr sein. Ich bemühe mich, das zu akzeptieren und lerne damit zu leben und versuche das Beste daraus zu machen.

      Alles Liebe für dich,
      Martina

      Gefällt mir

      • Gabi schreibt:

        Meine Mama hatte auch einen Schlaganfall. Bei ihr war dann das Sprachzentrum gestört. Als sie wieder anfing, langsam ein paar Wörter zu reden, kam der zweite, der dann tödlich war. Jedoch war sie auch davor schon jahrelang krank und es wurde immer schlimmer. Im letzten Jahr hatte sie eindeutig nichts mehr vom Leben.

        Du hast recht, dass man sich mit diesen negativen Dingen das Leben verdirbt. Aber genau das mache ich zur Zeit. Ich hatte immer schon eine Neigung dazu, aber momentan ist es ziemlich schlimm. Ich leide zur Zeit fast ständig unter Ängsten und Sorgen. Hauptsächlich um die Gesundheit meiner Familienmitglieder (Kira mit eingeschlossen) und auch von mir. Und vieles davon ist auch irgendwie berechtigt, weil fast dauern „irgendwas ist“. Nur kann ich oft nicht unterscheiden, ob ich dabei übertreibe oder nicht. Viele Jahre konnte ich solche Gedanken auch ganz gut verdrängen. Momentan funktionierts so gar nicht.

        Auch Dir alles Liebe,
        Gabi

        Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Liebe Gabi,
          Sorgen um meine Lieben (auch ich schließe Pepper da unbedingt mit ein, denn er gehört dazu) mache ich mir auch ständig. Das kann ich gut nachvollziehen. Ich versuche, sie nicht zu groß werden zu lassen, da sie mich sonst überschwemmen würden. Ich denke, die Angst noch mehr zu verlieren, weil ich schon so viel verloren habe, spielt eine große Rolle. Auf der anderen Seite geschieht auch zu wenig Positives. Leider.
          Dennoch mag ich mich davon nicht unterkriegen lassen. Ich hoffe immer, dass es auch wieder besser wird.

          Wenn dich diese Ängste und Sorgen zurzeit so stark beschäftigen, wäre es vielleicht auch falsch, sie einfach zu verdrängen. Vielleicht wäre es besser, sie anzunehmen, zu akzeptieren, dass sie da sind. Sie einfach dasein lassen. Ihnen etwas Raum geben. Sie genauer ansehen, sich mit ihnen auseinandersetzen. Es kann erleichternd sein, nicht immer nur dagegen ankämpfen zu müssen, sondern sich auch mal zu erlauben, diese Ängste zu haben. Das ist okay.
          WEnn wir sie immer nur einschließen, dann bekommen sie zu viel Macht über uns, werden immer größer. Lassen wir sie zu, fällt es manchmal leichter, sie auch irgendwann wieder gehen zu lassen. Mir hilft es auch, darüber zu schreiben, ihnen auf diese Weise erlauben da zu sein.

          Alles Liebe,
          Martina

          Gefällt mir

        • Gabi schreibt:

          Du hast natürlich recht. Irgendwie ist beides nicht gut. Verdrängen nicht und ständig an die Probleme denken auch nicht. Aber leider verselbstständigen sich manche Dinge leider.
          Ich hatte vor ein paar Jahren auch mal eine Zeit, wo ich alles verdrängt hatte. Die Jahre davor hatten wir viele Krankheits- und Todesfälle in der Familie und auch im Freundeskreis, darunter auch meine Mama. Danach wollte ich einfach nichts mehr von Krankheit und Tod wissen, ja ich habe mich regelrecht geweigert, an so etwas zu denken. War auch nicht gut. Ich wurde richtig vergnügungssüchtig. Ständig fort, ständig unterwegs, immer was unternommen und immer auf lustig und gut aufgelegt.
          Seit geraumer Zeit haben mich aber wieder die „Tiefen“ eingeholt. Weil das Leben eben weitergeht und sich verändert und nichts bleibt, wie es war. Schon gar nicht die positiven Dinge. Und auch da hast Du recht. Es geschieht einfach zu wenig positives.

          Wie be fast allem wäre auch hier wohl der goldene Mittelweg das Richtige. Nur, wenn das immer so einfach wäre.

          Alles Liebe
          Gabi

          Gefällt mir

        • buchstabenwiese schreibt:

          Es ist schon einfach, liebe Gabi, aber nicht immer leicht. 😉

          Ich kann dich schon verstehen. Bei mir war es – neben anderen Sorgen und Problemen – erst meine Mutter und dann mein Vater. Erst die Krankheit, das Leid, das Leiden, der Verfall, dann der Tod. Man sieht gar nichts anderes mehr als Krankheit, Verfall und Tod. Wenn dann alles vorbei ist, ist es neben der Trauer auch ein Ballast, der von einem fällt und man fühlt sich auf seltsame Weise frei, will endlich wieder leben. Was ich nach all dem aber gar nicht so einfach fand. Ich wusste gar nicht mehr, wie das geht, was ich wollte, was mir gut tut, weil sich jahrelang alles nur um andere drehte. Dennoch, man möchte endlich wieder fröhlich sein und verdrängt die Trauer und das Schreckliche, das man mit ansehen musste. Ich hatte plötzlich wieder Energie, stürzte mich noch mal in mein Schreibstudium, das ich dann doch noch beenden konnte. Doch irgendwann holt es einen wieder ein und man ist erschöpft. Aber vielleicht brauchte man das erst mal, um alles irgendwie durchzustehen.

          Nichts bleibt wie es war, das ist wohl wahr. Das Leben ist Veränderung. Man möchte so gerne die positiven Dinge festhalten, Menschen festhalten, die schöne Zeit festhalten, alles festhalten. Aber das geht nicht. Festhalten wollen, was man nicht festhalten kann, kostet viel Kraft, die uns dann zum Leben fehlt. Ich denke auch manchmal an die Zeit, als meine Eltern noch lebten, noch jünger waren, an meine Träume, die sich leider nicht erfüllt haben. Auch ich bin dann manchmal traurig und auch wütend, dass das alles vorbei ist und ich vor einem Trümmerhaufen stehe und sich nichts von dem erfüllt hat, was ich mir für mein Leben vorgestellt habe. Man kann es nicht immer verdrängen. Aber wieder kommt es trotzdem nicht.

          Es ist nicht leicht durch dieses dunkle Tal zu wandern. Man weiß nicht, wie lange es dauern wird und was uns über den Weg laufen wird, aber wenn wir nach oben zu den Sternen blicken und uns daran orientieren, schaffen wir es vielleicht.

          Ich frage mich gerade, ob ich die Worte für dich oder für mich geschrieben habe, denn ich hatte gestern keinen guten Tag und keine gute Nacht, und das wirkt heute noch nach …

          Alles Liebe für dich,
          Martina

          Gefällt mir

  18. Gabi schreibt:

    Liebe Martina,
    auch wenn Du diese Worte vielleicht (auch) für Dich geschrieben hast, so kann ich für mich davon sehr viel mitnehmen. Du sprichst mir damit sehr aus dem Herzen.
    Vielen Dank dafür.
    Ich hoffe sehr, dass es Dir zwischenzeitlich wieder etwas besser geht.

    Alles Liebe und alles Gute für Dich
    Gabi

    Gefällt mir

    • buchstabenwiese schreibt:

      Danke, liebe Gabi.
      Ja, inzwischen geht es mir wieder etwas besser.
      Auch für dich alles Liebe und alles Gute,
      Martina

      Gefällt mir

      • Gabi schreibt:

        Das ist schön. Ich hoffe für Dich es bleibt bzw. es wird noch besser.
        Mir kommt vor, mit den „guten“ Tagen ist es genauso wie mit dem positiven Dingen. Die guten Tage halten meist nicht so lange an, wie die negativen.
        Ich frag mich oft schon, wieso ist das so?

        Alles Liebe
        Gabi

        Gefällt mir

  19. Traveller schreibt:

    ein bittersüße Mischung Sonntagmorgen-Impressionen
    danke dafür

    lieben Gruß
    Uta

    Gefällt mir

Immer her mit den Buchstaben. :-) Danke schön. ♥

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s