… ein Lebenszeichen von mir …
Es ist spät, wieder mal.
Ich meine nicht die Uhrzeit, obwohl der Zeiger rast, als wäre ein Zeigermörder hinter ihm her. Unaufhörlich dreht er sich im Kreis. Er dreht und dreht sich und ich frage mich, ob ihm nicht schwindlig wird bei dem Tempo.
Schon wieder ist fast ein ganzer Monat um.
Schon wieder fehlt es mir an Energie, fühle ich mich bleigefüllt, schleppe mich voran. Jeder Schritt ist mühsam und kraftraubend.
Schon wieder habe ich nicht geschafft, was ich unbedingt schaffen wollte.
Wiedermal lasse ich mich von zu vielen, meist negativen, Gedanken ablenken und beherrschen, die mir all meine Energie heraussaugen.
Am Ende bin ich müde, erschöpft, enttäuscht von mir selbst und von manch anderen.
Ich fühle mich zurzeit viel zu sensibel und verletzlich, einsam und verloren. Einsam im Kampf gegen diese Gedanken, die mich gefangen halten.
Wieder einmal habe ich mich zu weit von mir selbst entfernt.
Wieder einmal bin ich nicht mehr der Kapitän in meiner eigenen Mitte, um mein Schiff zu steuern. Daher schaukelt es herum, dreht sich im Kreis und weiß nicht wohin.
Ich muss schreiben, schreiben, schreiben, für euch, für mich, fürs stille Kämmerlein. Schreiben, um besser loslassen zu können, schreiben, um mir selbst wieder näher zu kommen, um mich selbst wieder mit Energie zu füllen, um mich selbst wieder besser zu verstehen. Ich muss schreiben, um jene Gedanken herauszufiltern, die mir meine Lebenskraft absaugen und mich an ein Vorankommen hindern.
Ich muss loslassen. Immer wieder loslassen.
Loslassen, was nicht mehr ist, nie mehr sein wird und was vielleicht sogar niemals war.
Ich weiß, dass ich es schaffen werde, weil ich es schaffen will. Und dann habe ich wieder den Blick frei für die schönen und wichtigen Dinge des Lebens …
… und schaffe endlich, was ich schon so lange vorhabe … ![]()
Martina Hildebrand













